Mein letzter Azubi im Bereich Verkauf/Einzelhandel Büro
Es war einmal eine junge Frau, die saß in einem Lebensmittelladen an der Kasse!
Ihr Zeugnis der Realschule war nicht sehr berauschend!
Sie hatte ein Vorstellungsgespräch mit mir. "Ja ich mag Zweiräder und könnte mir
vorstellen einen Roller zu kaufen und zu fahren,
noch lieber wäre mir ein 125 aber ich habe nicht das Geld für den Führerschein".
Da sie sportlich wirkte und sie sich auch
äußerte "Interesse an Sport" zu haben entschloss ich mich sie in eine
Ausbildung zu nehmen.
Obwohl sie für den Führerschein nichts bezahlen musste (im Lehrvertrag habe ich
die Bezahlung mit 30.- Euro im Monat zugesichert) meldete sie sich nie für einen
Führerschein an. Auch dass sie mal hier einen Roller sich ausgeliehen hätte habe
ich nie gesehen. Dafür waren ihre blonden Haare aber immer gut gestylt!
Ich wunderte mich und es gab mehrere lockere Gespräche, aber auch die richtigen
Ernsten im Büro.
Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie mehr Begeisterung für ihre Arbeit
mitbringt.
Leider machte sie fast täglich Fehler.
Ist ja auch klar, wenn man sich nicht mit dem identifiziert was man tut
passieren Fehler. Es gab wieder Gespräche: "ich denke es wäre besser die
Ausbildung als Verkäuferin bei mir zu beenden".! "Nein ich will Einzelhandel
Kauffrau werde und verspreche mir nun mehr Mühe zu geben".
Daraufhin hat sie sogar ein Rollermagazin gekauft und uns stolz 2 Wochen lang
vor die Nase gehalten, sie wusste sogar über den Inhalt bescheid! Tja, das war
dann die ganze Mühe. Es gingen Tage ins Land und es gab wieder Gespräche und
auch einige Gründe welche eine fristlose Kündigung gerechtfertigt hätten.
Ich meinte es immer noch gut and bat sie um einen Aufhebungsvertrag und die
Ausbildung als Verkäuferin bei mir zu beendigen.
Sie willigte ein und brachte stolz ein Formular mit, dass sie die vorgezogene
Prüfung bei der IHK machen könne. Ich sollte das doch unterschreiben.
Immer noch wollte ich ihr Bestes und unterschrieb unter der Voraussetzung, dass
wir uns nach der schriftlichen Prüfung über die Form des Aufhebungsvertrages
trennen.
Die Welt war für alle in Ordnung! Mein Azubi hat ihren Wunschberuf, sogar noch
eine Lehrzeitverkürzung von über einem halben Jahr geschenkt bekommen. Ich habe
jemanden einen Gefallen getan, der es eigentlich nicht verdient somit bin ich
ein guter Mensch.
Meine Firma wird finanziell den Winter über nicht noch mehr bellastet.
Doch der Azubi wollte noch mehr. "Gerry kündige mich ordentlich" fragte sie
mich. Ich antwortete dass, das nicht gehe und informierte sie noch einmal über
die ordentliche Kündigung, fristlose Kündigung und den Aufhebungsvertrag. Sie
presste weiter: "ich habe mich informiert das geht"! Als ich ihr nochmals
erklärte, dass es nicht geht und sie an unseren Aufhebungsvertrag erinnerte
entgegnete sie mir nur :"dann bleibe ich halt bis zum Januar".
Sie hatte noch 20 Tage Resturlaub bis zur schriftlichen Prüfung, aber plötzlich
war sie krank. 2 Wochen, dann kurz wieder gesund zur schriftlichen Prüfung und
danach wieder für 4 Wochen krank.
Der Arzt in ihrem Dorf meinte es auch gut mir ihr. Ihr "Kranksein" von meist 2
Tagen bestätigte er regelmäßig auf dem gelben Zettel.
Komisch war jedoch, dass die Gute zu allen möglichen Zeiten von vielen Personen
gesehen wurde und sie nie den Anschein erweckte dass sie Krank ist.
Es machte der Guten auch nichts aus um 3 Uhr morgens in der Diskothek
angesprochen zu werden. Auch das Berichtsheft ordentlich vorzulegen befand sie
nicht für nötig.
Auf Abmahnungen reagiert man mit Hilfe eines Anwalts.
"Ja", ich habe mich wirklich schwer getan sie fristlos zu kündigen.
Aber es gab sehr viele gravierende Gründe dafür und lachend in der Disco, welche
sich auch noch in der gleichen Strasse wie meine Firma befindet ist doch etwas
zu viel.
Ich schrieb die außerordentliche Kündigung, die erste in 18 Jahren seit ich den
Motorrad Shop habe, schweren Herzens aber mit dem wissen das Richtige zu tun.
Kaum war ich zurück von einer Testfahrt aus Neuseeland erhielt ich eine
Einladung zu einem Schlichtungstermin bei der IHK Konstanz.
Vor dem Termin wollte ich mich informieren und rief bei der besagten Kammer an.
Ich erhielt keine brauchbaren Informationen, der Anwalt der IHK war sehr kurz
angebunden. Also ging ich dort hin in dem Glauben man redet über die gesamte
Situation. Leider war ich im Irrtum! Die IHK, sowie der ständig mit einem sehr
freundlichen Ausdruck versehene Anwalt des Azubis wollten nur schnell ihren
Schreibtisch räumen und vergleichen.
Was während der Ausbildung im Laufe der letzten zwei Jahre
passiert ist, interessierte nicht. Ich hatte keine Möglich die Situation und die
Gründe dar zu legen.
Die blonde junge Dame hatte "Narrenfreiheit"- ich kam mir vor wie ein
Angeklagter,
ein Verbrecher.
Ich wurde noch nie in meinem Leben so vorgezeigt wie bei dieser Verhandlung und musste Kompromisse eingehen, welche nicht gerecht sind!
Der Azubi hat übrigens im Januar seine
Ausbildung beendigt ohne in einem Ausbildungsverhältnis zu stehen, er konnte
kein vollständiges von mir unterschriebenes Berichtsheft bei der Prüfung
vorlegen.
Hat die Ausbildung zur Einzelhandelskaufrau mit vorgezogener Prüfung machen
können (halbes Jahr Ausbildungszeit Verkürzung) obwohl sie insgesamt in der
Ausbildung über 8 Wochen krank war.
Aus moralischen und ethischen Gründen kann ich Berufe, bei denen die IHK Konstanz die Prüfung abnimmt nicht mehr ausbilden.
Gerry Mayr