Transafrika

Menschen, Landschaft Abenteuer

Mit dem Motorrad durch Afrika

Kein Kontinent ist so facettenhaft wie Afrika. Er begeistert mit überwältigend
schönen Landschaften, und nicht weniger groß, ist das Spektrum von Menschen,
denen man auf einer Durchquerung begegnet.

Ein Reisebericht von Gerry Mayr 

Die Hitze nimmt immer mehr zu, es hat fast 35 Grad, als das Flugzeug in
Kapstadt landet. Dem Winter in Europa entronnen freue ich mich auf die
wärmenden Sonnenstrahlen.

Die Einreiseformalitäten gestalten sich nicht unbedingt afrikatypisch.
Die Zöllner sind bemüht, alles in europäischer Geschwindigkeit zu erledigen.

Nach einer halben Stunde sind die wichtigsten Zollformalitäten erledigt und wir
fahren zum Motorrad, welches in einer Lagerhalle bereits auf mich wartet.
Die Afrika 2000", das Eigenbau-Motorrad steht, oh Glück, immer noch
so auf der Palette, wie ich sie in München festgezurrt hatte.

 

Ungläubig stehe ich neben
meinem Motorrad, es ist einfach
zu viel Gepäck. Ein Teil wird wohl
in Kapstadt bleiben müssen.

Kapstadt im Januar ist einfach herrlich zum Motorrad fahren.
Der „Green Garden Route" folge ich bis zum Cape Alghuas, dem südlichsten Punkt Afrikas.
Der Ort, an welchem der Indische und der Atlantische Ozean sich begrüßen.
Auf der breiten Asphaltstraße machen die 120 PS meiner Enduro richtig Spaß.
Weit ausgeschwungene Kurven lassen doch öfters Geschwindigkeiten von über
140 km/h auf dem Tacho wahr werden.

Ich weiss nicht, was gerade mehr donnert, mein Herz vor Freude,
die zwei offenen Gualdi Carbon Auspüffe oder das Meer, welches gegen
zerrissene Klippen schlägt.

wieviele Seefahrer haben die Fahrt um das „Kap der guten Hoffnung"
nicht überlebt und sind an den Felsen zerschellt.
 

Eine Fahrt zum Kap der guten Hoffnung oder eine Tour auf den Tafelberg
gehört bei einem Südafrikabesuch zum guten Ton. Kapstadt lädt mit sehr
vielen touristischen Sehenswürdigkeiten zum Verweilen ein.

Das Klima ist das ganze Jahr sehr angenehm. Der ständig vorherrschende
Wind macht die Außentemperaturen erträglich.

Cape of Good Hope. Guter Hoffnung
ist auch meine Stimmung für die
weitere Reise auf der „Transafrika".

Nach angenehmen Tagen bei Wein und Freunden verlasse ich Südafrika in
Richtung Namibia. Ab jetzt, dem 03. Januar läuft die Uhr. Aus dem
Urlaub wird eine Rallye. Das Ziel ist es, den Kontinent innerhalb von 50 Tagen
zu durch- und erfahren.

Die Landschaft ändert sich, die Karoo-Wüste begrüsst mich mit kargen
Felsformationen, wenig Grün und einer unglaublichen Hitze. 46,6 Grad
stehen auf dem Temperaturmesser von Touratech.
Die Asphaltstraße führt mich nach Windhoek. Wie in vielen anderen namibischen
Städten ist auch dort der deutsche Einfluss nicht wegzudenken.

Dieser spiegelt sich an den deutschen Straßenschildern und dem freundlichen,
in gutem Deutsch gesprochenem „guten Morgen" wieder.
Günstig übernachten kann man in einem der vielen „Backpacker".
Backpackers sind eine Art Pension für Weltenbummler. Ein Ort, wo sich
Reisende aus aller Welt treffen und über „Erlebtes" berichten. Ein optimaler
Ort um Erfahrungen auszutauschen und den weiteren Weg zu planen.
Ursprünglich sollte die weitere Reise entlang des Caprivi-Streifens gehen.

Auf Grund von Informationen aus dem Chamäleon Backpacker Windhoek musste
ich kurzfristig die Route ändern, da Rebellen an der angolanischen Grenze Touristen
mit Bleikugeln begrüßen.So führte mich mein Weg nach Botswana. Sehr angenehm,
daß für deutsche Staatsbürger dort keine Visumpflicht besteht. Der Grenzübertritt nach
Botswana war kein Problem.
In Botswana ging die neuwertige Asphaltstrasse vorbei an wilden Tieren. Elefanten
und Zebras stehen am Strassenrand und machen die Fahrt zum Abenteuer.

Auch die ersten 250 Off Road Kilometer, auf welchen das Motorrad zum ersten Mal
seine Geländefähigkeit unter Beweis stellen musste, machten richtig Spaß.

Um 22:00 Uhr nachts hatte mich die Asphaltstraße wieder. Durch das Fahren
auf der Gravel-Road benötigte das Motorrad fast das Doppelte an Benzin und so
blieb das es stehen. Es folgte eine nasse Nacht im Zelt neben der Straße.

Morgens um 6:00 Uhr hält dieser Hilfsbereite,
„Botswaner" und bringt mir
das nötige Nass für die Weiterfahrt.

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Bei Kazungula überquerte ich den Fluss Sambesi, um nach Sambia zu gelangen.
Die mit „pottholes" übersäte Strasse führte mich nach Livingstone, welches bei
den Victoria-Fällen liegt. Nach den Strapazen der letzten Tage tauschte ich erneut
mein Zelt gegen das Bett eines „Backpackers". Das Pistenfahren ist doppelt
so anstrengend wie das Fahren auf Asphalt. Neben den berühmten „Vic-Falls"
gibt es um Livingstone auch einen der schönsten, familiärsten Naturparks, den
Mosi-Oa-Tunya. Generell ist das Fahren in die Naturparks mit dem Motorrad nicht
gestattet, und ich „klinkte" mich in eine kleine Reisegruppe mit Pkw ein, um Rhinozerosse,
Zebras, Giraffen zu sichten.

Rastlos donnern die Massen des Sambesi hinunter in die Tiefe: Ohr und
Auge werden eins mit der Natur.

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Durch viele unzählige kleine Dörfer führt die weitere Fahrt durch Sambia nach Tansania.
Ein so großes Motorrad haben die meisten der Bewohner noch nie gesehen.
Überall winken mir Kinder und auch Erwachsene zu.

Überall wird das große Motorrad umringt und
bewundert.

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Gerade das Reisen mit dem Motorrad bringt sehr viele Kontakte mit der Landbevölkerung zustande.
Ungeschützt stellt man keine Gefahr für die Menschen dar, die sehr zutraulich und hilfsbereit sind.

 

Spielende, glückliche Kinder
prägen das Bild vieler
afrikanischer Dörfer.

Vor allem nachts sollte nicht gefahren werden und wenn doch, dann sehr vorsichtig.
Viele Tiere sind besonders nachts aktiv. Auch die Dämmerung und der frühe Morgen
ist die Zeit der Tiere. Nicht selten haben ganze Herden von Büffel und Zebras meinen Weg gekreuzt.

AchtungGiraffe. Durch den langen Hals sind die Tiere kaum übersehbar.

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Unzählige Parks liegen direkt an meinem Weg. Einige wurden
mir erst verdeutlicht durch die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h.
Im Mikuni Nat. Park teilt die Straße Wasserlöcher auf der rechten und linken Seite.
So ist immer mit Tieren zu rechnen, welche schon alleine wegen ihrer Grösse Vorfahrt" haben".

Ein Muss für eine Afrikadurchquerung ist die Fahrt vorbei am weißen Berg Afrikas,
dem Kilimandscharo. Ganz gleich, ob im Sommer oder Winter, der schneebedeckte
Gipfel, welcher mit 5488 m Höhe die Steppe Tansanias überragt ist wirklich sehenswert.
Wer etwas mehr Zeit mitbringt und 600 US Dollar noch in der Reisekasse übrig hat,
sollte sich einen Sonnenaufgang, über der Steppe, vom Gipfel aus nicht entgehen lassen.

Die Götter müssen bei der Schöpfungverrückt gewesen sein.
Ein schneebedeckter Gipfel mitten in Afrika.                          

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Von Moshi, einer kleinen Stadt am Fuße des „Kili" hat man einen tollen
Blick auf diesen außergewöhnlichen Berg. Er ist einer der wenigen
freistehenden Vulkane dieser Erde.Das wilde, ursprüngliche Afrika
beginnt nach dem Grenzübertritt und der Durchquerung der Hauptstadt
Kenias, Nairobi. Die Straße wird immer schlechter. Ein Schlagloch neben dem
anderen. Um das Motorrad nicht in einem solchen verschwinden zu lassen,
ist eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h angemessen.

Etwas schneller geht es dann auf der Gravel Road zur Sache, welche mich
nach Isiolo bis zur Grenze nach Ethiopien begleitet. Weg von der Zivilisation
führt die Piste durch das Samburo-Gebiet und die Kaissut- Wüste, eine
Gesteinswüste mit spärlicher Vegetation und extremer Hitze.

Stolzer Samburo Krieger. Die Steppe ist bewohnt.

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Einsam fahre ich mit 30 km/h über die Waschbretter, nachdem ich bei
Geschwindigkeiten über 100 Km/h das meiste von meinem Gepäck verloren hatte.
Kilometerweit kein Mensch zu sehen. Die Temperaturen klettern auf fast unerträgliche 50 Grad.

Das Wasser wird langsam knapp, obwohl ich die 10 Liter des am Motorrad fest
montierten Zusatztanks vor kurzem erst befüllt hatte. Die Piste ist ausgefahren
von den großen Rädern der Kipplaster. Kaum ein Fahrzeug benützt diese Piste,
welche von scharfen Steinpassagen bis hin zum losen Sand alles bietet und mir
mein ganzes Fahrkönnen abverlangt.

 Einsamkeit in der Kaisut Desert".
Nur durch und weg. Alleine, fast
eine Spur zuviel Abenteuer.

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Die unmögliche Mischung verschiedener Pistenzustände benötitgen viel Benzin.
Ich bin froh, 52 Liter in meinen zwei Cabontanks mitführen zu können, denn Tankstellen
sind hier eher Mangelware. Eine Reichweite von über 350 Kilometern muss ein
Motorrad schon haben.

Bis jetzt überstand ich die Grenzübertritte nahezu unbehelligt. Jedoch beim
Passieren der Grenze nach Äthiopien wurde mein Gepäck durchsucht und das
Motorrad genauer angesehen, es wurde auch eine Devisenerklärung verlangt.
Nach drei Stunden Zollformalitäten fand ich mich auf einer Asphaltpiste
nach Addis Abbeba wieder. Addis, die Hauptstadt von Äthiopien, liegt auf ca. 2400 m
Höhe in einem Kessel. Von der Armut, dieses Landes - eines der ärmsten Ländern der
Erde - ist hier nichts zu spüren. Geschäfte reihen sich aneinader, neben Burger
Queen gibt es auch ein luxuriöses Sheraton und ein Hilton.

Eine bunte Einkaufstraße mit handgemalten Werbeschildern
in einem Vorort von Addis

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Da ich alle Visas in Deutschland besorgt hatte und das Nachsenden mittels DHL
recht gut klappte, konnte ich mir den Weg zur Sudanesischen Botschaft sparen.
Übrigens erhält man dort innerhalb 72 Stunden ein Visum.

Landschaftlich sehr schön ging die Fahrt auf der Hochebene Äthiopiens weiter zum Sudan.
Ein Wechselspiel zwischen Bergen, Tälern und Flüssen.Die Landschaft, gerade die Flüsse
begeisterten mich so sehr, dass auftretende Reifenschäden mir nicht die Laune vermiesten.

Ein Hauptständer ist in Afrika nicht nötig.

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Die Metzler Karoo Reifen verrichteten ihren Dienst außerordentlich gut.
Und bewahrten mich vor dem einen oder anderen platten Reifen.

Und immer dort, wo ich mich etwas länger aufhielt, kamen aus dem Nichts Zaungäste
und beobachten neugierig mein Tun. Auch in Bahir Dar, einer kleinen Stadt am Lake Tana,
wurde das Motorrad umringt von annähernd 50 Äthiopiern.

Ein paar Stunden Aufenthalt hatte ich dort um US Dollars zu wechseln und einen
neuen Schlauch in das Vorderrad einzuziehen.

Die Piste zwischen Lake Tana und Gedaref (Sudan) ist ein Enduro- Vergnügen der besonderen Art.
Kaum habe ich das Hochland Äthiopiens verlassen, gilt es einige Flüsse zu durchqueren.
Die meisten führen im Februar nicht viel Wasser und sind auf Grund dessen überhaupt passierbar.
Je weiter ich nördlich komme, umso aufwendiger gestalten sich die Grenzformalitäten und
der Bürokratismus nimmt zu. Vier Stunden Aufenthalt in Gedaref waren nötig, um alle Papiere
für den Sudan zu erhalten. Und um eine Straßenbenutzungserlaubnis zu bekommen,
musste ich den genauen Weg angeben, was später auch öfters kontrolliert wurde.
Big Brother lässt grüßen". Nach einem Tag Fahrt auf der hervorragenden Asphaltstraße
welche von Port Sudan zur Hauptstadt hinauf führt, komme ich in Khartoum an.
Als Insidertip wird dort der inoffizielle „Blue Nil Club Campground" unter den Afrika-Reisenden
gehandelt. Dort stellte ich das Zelt auf, um mit anderen Weltenbummlern Erfahrungen auszutauschen.

Die weitere Wegführung nach Ägypten war bis jetzt noch nicht klar. Es gibt drei Möglichkeiten.
Die erste entlang des Nils, bestimmt der sicherste Weg, da Wasser, Nahrung und Benzin
ständig verfügbar. Jedoch ist dieser sehr zeitraubend. Der zweite von Abu Hamed aus geht
entlang der Bahnlinie nach Wadi Halfa. Zeitlich der schnellste, aber auch der gefährlichste Weg,
da die nubische Wüste auf einer Strecke von fast 400 Kilometern durchquert werden muss.
Ohne Begleitfahrzeug und alleine ist diese Piste nicht zu empfehlen. Ich bevorzugte den Weg
durch die Bayuda Wüste und hängte mich an eine Gruppe von zwei Landcruisern,
welche mein Gepäck und Reservekanister mitnahmen. Nach einer Fahrt durch die Wüste
errreichten wir den Nil. Diesem folgtem wir, um in Old Dongola eine wirklich sehenswerte
Ausgrabungsstätte zu besichtigten.

Old Dongola, eine Ausgrabungsstätte, welche von einem
polnischen Team erforscht wird.

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Nur noch 400 Kilometer bis nach Wadi Halfa, am Nasser See, dem Grenzort auf
sudanesischer Seite. Der lose Sand macht ein schnelles Fahren unmöglich.
So benötige ich zwei Tage für die Strecke. Angekommen in Wadi Halfa wusste ich:
das fahrerisch Anspruchsvollste liegt hinter mir". Die Straße in Ägypten ist komplett
asphaltiert und in einem sehr guten Zustand.

Die letzte Grenze auf dem afrikanischen Kontinent und auch unangenehmste ist die ägyptische.
Drei Tage musste ich in Aswan ausharren, um alle Papiere zu erhalten. Eine Strassenbenutzungsgebühr
musste bezahlt werden, eine Versicherung musste ich abschliessen und jedes Papier kostete Gebühren.
Die Weiterfahrt über Luxor ans Rote Meer schränkte mich in meiner persönlichen Freiheit insoweit ein,
daß ich mich einem Konvoi anschließen musste. Geführt von staatlicher Hand ging es auf Asphalt,
entlang dem roten Meer, nach Cairo.

Eines der Wahrzeichen Ägyptens:
Sand, Kamele und Muslims.

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Auf der Höhe von Suez verlasse ich die Strasse entlang dem Roten Meer um
vorbei an Cairo nach Alexandria zu gelangen. Das Straßennetz in Cairo ist so riesig,
dass es mir wie eine Ewigkeit vorkommt, durch die Stadt zu gelangen. Um den
Autobahngebühren zu entgehen, benutze ich die Landstraße bis ans Mittelmeer.
Nur langsam komme ich auf der vielbefahrenen Strasse voran. Nach einem
anstrengenden Tag erreiche ich die interessante Hafenstadt Alexandria.
Die letzten 58 Tage kommen mir vor wie ein Traum, jedoch ich habe es geschafft.

 

Vielen Dank geht  an:  Harald und Claudia Brehm, Familie Stephan Mack,
Das Hospital in Wamba, Fardy, Helga Beck und Manuel Gomis sowie viele
unzählige andere Menschen in Afrika welche diesen TRaum realität werden liesen.